ecosign Sommersemester 2026
Forbidden Fruits
Pressetext lang
Forbidden Fruits, Sommersemester 2026, ecosign Akademie für nachhaltiges Design, Köln
Fotografische Positionen zu Verlockung, Verzicht und gesellschaftlichen Grenzen
Florian W. Müller leitet im Sommersemester 2026 als Dozent das fotografische Projekt „Forbidden Fruits“ an der ecosign – Akademie für Nachhaltiges Design in Köln. Die ecosign bietet Studiengänge im Bereich Nachhaltiges Design an und verbindet gestalterische Praxis mit ökologischen, sozialen und kulturellen Fragestellungen.
Ausgehend von der Frage „Was ist für dich eine verbotene Frucht – und warum?“ entwickeln Studierende des Studiengangs Nachhaltiges Design eigene fotografische und filmische Arbeiten. Der Begriff „Forbidden Fruits“ funktioniert dabei gleichermaßen konkret wie metaphorisch: Er verweist auf Verlockung und Verzicht, auf Regeln und Grenzüberschreitungen, auf das, was begehrt wird – und zugleich als unerwünscht, tabuisiert oder „nicht erlaubt“ markiert ist.
Im Zentrum steht nicht die bloße Illustration eines Themas, sondern die Entwicklung eigenständiger künstlerischer Positionen. Fotografie wird hier als Medium verstanden, das Bedeutungen verschieben, Fragen öffnen und neue Zusammenhänge sichtbar machen kann. Gerade im Kontext einer Hochschule für nachhaltiges Design erhält das Thema eine besondere Aktualität: Welche Dinge gelten als erwünscht oder unerwünscht, wenn es um Konsum, Ressourcen, Körperbilder, Zugehörigkeit, Natur oder gesellschaftliche Normen geht? Welche Versprechen sind verführerisch, aber problematisch? Und welche Regeln schützen – oder verschleiern?
Die entstandenen Arbeiten zeigen, wie unterschiedlich sich der Begriff „verbotene Frucht“ fotografisch lesen lässt. Beispiele: Finn Hendrik Baumann nähert sich dem Thema in einem narrativen Kurzfilm über Konkurrenz, unfaire Vorteile und moralische Grenzüberschreitungen. Raphael Landmann untersucht anhand von Kleidern, Schmuck und familiären Rollenbildern gesellschaftliche Vorstellungen von Männlichkeit, Scham und Schönheit. Moritz Ehrenschneider verbindet Porträts, Körperfragmente und Interviews zu einer vielschichtigen Arbeit über queere Körper, Selbstbilder und den Blick der Gesellschaft. Jelena Henkelmann und Felix Beck richten ihren dokumentarischen Blick auf Kleingärten als Orte der Gemeinschaft, des Rückzugs und des Wandels. Mia Claussen arbeitet mit einer cineastischen Bildsprache und inszeniert Situationen latenter Bedrohung, wie sie für viele Frauen zum Alltag gehören. Durch die Umkehrung der Rollen – betroffen sind nun attraktive Männer – verschiebt sie den Blick auf Macht, Verletzlichkeit und gesellschaftliche Doppelmoral. Nele Leyendecker übersetzt die sieben Todsünden in eine fotografische Auseinandersetzung mit Konsum, Tempo und alltäglichen Versuchungen. Joelle Löwenberg wiederum widmet sich Pflanzen, die gemeinhin als „Unkraut“ gelten, und zeigt das vermeintlich Störende als wertvollen, oft übersehenen Bestandteil unserer Umwelt. Julius Otto nutzt das Familienporträt als Bühne für unausgesprochene Dynamiken: Inszenierte, moderne Porträts treten in Dialog mit dem klassischen Bild der Familie und zeigen die Differenz zwischen äußerer Ordnung und persönlichem Empfinden.
So entsteht ein vielstimmiges Projekt über Begehren, Verbote und Perspektivwechsel. Zwischen persönlichen Erfahrungen, gesellschaftlichen Normen und ökologischen Fragen öffnen die Arbeiten Gedankenräume, in denen die „verbotene Frucht“ nicht als eindeutiges Symbol erscheint, sondern als Einladung zum genaueren Hinsehen: Was wird ausgeschlossen? Was wird begehrt? Und was sagt ein Verbot am Ende über die Gesellschaft aus, die es formuliert?
Prüfungstermin: 26.06.2026
Ausstellung: 27. & 28.06.2026
27.06. (Vernissage): 17 – 22 Uhr
28.06.: 10 – 18 Uhr
Ort:
The Greenhousestudio
Am Kölner Brett 2
50825 Köln
Die Studierenden und ihr Dozent sind anwesend.
Nele Leyendecker
7 Todsünden
Stolz, Neid, Habgier, Völlerei, Wollust, Trägheit, Zorn:
eine Kettenreaktion
Welche Rolle spielen die sieben Todsünden noch in unserer Gesellschaft? Was ist Sünde, was Tugend? Sind sie gar Triebfeder für unsere konsumabhängige Gesellschaft, die immer schneller wird?
In meiner Fotoserie werden die sieben Todsünden, lebendig als alltäglicher Teufelskreis thematisiert. Welchen einst verbotenen Versuchungen verfallen wir ständig, ohne es zu merken und wohin treibt uns dieses rasende Tempo?
Joelle Löwenberg
In meinem Projekt beschäftige ich mich mit Pflanzen, die gesellschaftlich als störend oder überflüssig wahrgenommen werden. In der Fotoreihe erscheint das ungeliebte Unkraut nicht als etwas, dass entfernt werden muss, sondern als wertvoller und faszinierender Bestandteil unserer Umwelt. Die Aufnahmen sind fragmentiert, sodass nicht direkt erkennbar ist um welche Pflanze es sich handelt.
Dabei konzentriere ich mich auf die Besonderheiten, die man im Vorbeigehen schnell übersieht. Vertrautes wird zu etwas neuem und das vermeintlich Nebensächliche gewinnt an Bedeutung.
Finn Hendrik Baumann
Findet gerade einen neuen Ansatz…
Moritz Ehrenschneider
Text über meine Arbeit
Meine Arbeit untersucht Queere Körper. Interviews sind mein zentrales Mittel, um persönliche Geschichten, Zweifel und Selbstbilder sichtbar zu machen. Im Fokus stehen die Körper und ihr Verhältnis zu einer Gesellschaft, die sie betrachtet, bewertet und prägt, ebenso wie ihre eigene Perspektive auf diese.
Ausgangspunkt ist auch meine eigene Suche nach dem „richtigen“ Körper. Was trage ich, und warum? Wie viel davon ist eigener Ausdruck, wie viel entsteht durch äußeren Blick oder Druck innerhalb der queeren Community? Diese Fragen gebe ich weiter, um Perspektiven sichtbar zu machen, Gemeinsamkeiten aufzuzeigen und Unsicherheiten zu teilen oder zu hinterfragen.
Die Arbeit gliedert sich in Portrait, Körperformen und Interview. Den Gesprächen stehen fragmentierte Detailaufnahmen gegenüber: Ausschnitte von Körpern, die sich neu zusammensetzen. So entsteht ein vielschichtiges, wandelbares Bild von Körpern im Dialog mit sich selbst und ihrer Umwelt.
Jelena Henkelmann & Felix Beck
Hallo, wir sind Jelle und Felix und kommen aus West und Süddeutschland. Vor 3 Jahren haben wir uns an der Hochschule kennengelernt und schnell Schnittmengen gefunden. Wir interessieren uns beide für persönliche Geschichten und gesellschaftliche Begegnungsräume.
Orten der Gemeinschaft fehlt es häufig in unserer Generation an Sichtbarkeit. In unserem ersten gemeinschaftlichen Projekt “…” werfen wir einen Blick in die Kleingartenanlage.
Wir durften KleingärtnerInnen aus drei benachbarten Parzellen kennen lernen, Ihre Geschichten hören und ihnen bei Gartenarbeit und Müssiggang begegnen. Im Dialog mit den GärtnerInnen wird eins klar, der Kleingarten befindet sich im Wandel.
Mia Claussen
Schreibt selbst
Raphael Landmann
Lange Kleider, glitzernde Pailletten, hohe Schuhe und edler Schmuck.
All dies zieht mich an – eine Faszination, jedoch eine Welt, die nicht für einen kleinen Jungen bestimmt ist. Wie peinlich.
Doch was, wenn es mir nicht peinlich ist?
Was, wenn sich mein Vater und meine Brüder in derselben Welt meiner Faszination befinden würden?
Die prägenden männlichen Bezugspersonen meiner Kindheit in Kleidern.
Ernsthaft. Ästhetisch. Schön.
(Eine unausgesprochene Erlaubnis – männliche Bestätigung zur Weiblichkeit.)
Julius Otto
Im Rahmen des Kursthemas „Forbidden Fruits” setze ich mich mit Familiendynamiken
und der unterschiedlichen Wahrnehmung einzelner Familienmitglieder auseinander.
Die jeweiligen Sichtweisen werden durch inszenierte, moderne Familienporträts dargestellt.
Ein Vergleich mit einem klassischen Familienporträt zeigt dem Betrachter den
Unterschied zwischen Außenwirkung und persönlichem Empfinden.












